Das Christentum – die unverstandene Religion. Lehrbrief: Wer ist Gott?

Auf Anregung des hochwürdigen Erzpriester Vater Sergej der Gemeinde des Heiligen Johannes von Kronstadt zu Hamburg und mit seinem persönlichen Segen sollen wesentliche Wahrheiten des Christentums und damit eine Darlegung der Lehre Christi angesichts der im westlichen Europa bestehenden Unkenntnis und Entfremdung in das Bewusstsein der Menschen gerufen werden. Es ist innerhalb der letzten Jahrzehnte zu beobachten, wie diese Unkenntnis und Entfremdung vom einst gänzlich christlich geprägten West – Europa mit einer rasanten Geschwindigkeit voranschreitet und sich eine immer größere geistige Not ausbreitet, die die Menschen Ersatz suchen lässt in einem z. B. grenzenlosen Materialismus, Individualismus, d. h. einer extremen auf sich Bezogenheit, die den anderen Menschen als Mitmenschen gar nicht mehr wahrnimmt. Man erlebt eine Art Hilflosigkeit vieler Religionsgemeinschaften, die eigentlich schon aufgegeben zu haben scheinen, da ihre Mitglieder nicht mehr aktiv den Glauben vertreten, respektive ihn ganz einfach nicht mehr kennen.

Was nützt es mir, wenn ich zwar fleißig meine Kirchensteuer entrichte und Weihnachten – gerührt von der Atmosphäre – mich als Christ – wenn überhaupt – besinne, dieses aber im übrigen Jahr einfach aus meinem Leben ausblende, denn es gibt ja so unendlich viele Möglichkeiten, mich mit Nebensächlichkeiten abzugeben und dabei aber mein Christsein überhaupt nicht mehr zu leben, weil mir dieses nicht hinreichend in mein Bewusstsein implantiert ist. Was nützt es dem Menschen, wenn man ihm zu essen und zu trinken gibt, aber ihm nicht sagt, warum er essen und trinken soll, dann führen wir ein sinnentleertes Leben, denn nur wenn wir wissen, warum wir essen und damit leben, dann ergibt unser Leben auch einen Sinn.

Als Christ lösen wir eine Eintrittskarte! Diese Eintrittskarte ist die Taufe, die uns zu Christen macht und damit uns verpflichtet, auf Gott gerichtet zu leben!

Was sagt nun unser Glaubensbekenntnis in seinem ersten Satz:

„Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allherrscher, den Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren,…“

Der Glaube ist zunächst einmal etwas ganz Persönliches, deshalb verwenden wir auch im Deutschen die „Ich – Form“, d. h. die I. Person Singular. Freileich sei angemerkt, dass die ursprüngliche Form „Wir“ war, weil das Glaubensbekenntnis im Rahmen des offiziellen Gottesdienstes gebetet wurde. Es stellte also das Bekenntnis der gesamten vor Gott sich als Einheit fühlenden Gemeinde dar, insofern ist es auch erklärbar, den Plural zu verwenden, aber dem ist entgegen zu halten, dass das Bekenntnis vor Gott auch allein außerhalb der – wie wir sagen – Göttlichen Liturgie erfolgen kann, es somit etwas ganz Persönliches darstellt, denn „ich“ als Individuum wende mich an Gott und damit kann ich mich nicht in eine Masse einreihen oder in einer Masse verbergen. Bedenken wir auch, dass der letzte Kontakt, den wir als Lebende zu Gott haben, ein Ich – Bezug ist, d.h. wir treten als Individuum in unmittelbare Verbindung mit unserem Schöpfer, wenn unsere kurz bemessene Zeit hier auf Erden zu Ende geht.

Wer ist nun dieser Gott, an den ein Christ glaubt?

Gott ist zunächst einmal in einer Überstimmung rechtgläubiger theologischer Lehren reiner Geist, d. h. er ist nicht sichtbar, aber er manifestiert sich durch die Schöpfung, die seinem Willen und seiner Macht unterliegt. Wenn Menschen sich versuchen ein Bild von Gott zu machen, so ist das legitim, denn der Mensch benötigt etwas, das er sich vorstellen kann. So begegnen uns häufig Vorstellungen und Abbildungen von Gott als einem alten, gütigen Mann mit langem weissen Bart. Wir bekommen so eine Vorstellung eines – ich möchte salopp formulieren – gutmütigen Urgroßvaters, der die Schwächen der Menschen kennt und sie ihnen nachsieht. Diese Vorstellung liegt auf der Hand, aber sie trifft nicht den Kern. Wenn wir so platt und einfach, wie Nikita Chrutschow denken, der seinen ersten Kosmonauten, als er aus dem Weltraum zurückkam, fragte: „Und hast Du Gott gesehen?“, dann zeugt diese Frage allein von einer respektlosen und lästerlichen Haltung, denn wir kennen aus der Darstellung der Ikonen Gott, Jesus Christus und die Gottesgebären und immerwährende Jungfrau Maria als aus den Wolken herausschauend und auf die Erde und damit auf die Menschen blickend. Diese Darstellungen sollen uns als Menschen, die wir nur ein Häufchen Elend sind, verdeutlichen, wer Gott z. B. ist, sie dienen uns lediglich als Hilfsmittel, das Unbegreifliche zu begreifen, denn was ist reiner Geist. Reiner Geist ist eine nicht sichtbare Materie und Macht, die in den Lage ist, in das Geschehen einzugreifen auf dieser Welt und es zu steuern. Hier führt sich auch die sogenannte feministische Theologie ad absurdum, denn wenn Gott reiner Geist ist, so ist die Frage, ob wir ihn als männlich oder weiblich betrachten, eine absurde Gedankenführung, die in der Tradition der Theologie keine Begründung findet, sondern der völlig sich von den Wurzeln entfernenden speziellen Theologie einiger Denominationen des Westens, die längst durch die Durchlöcherung der Philosophen des 18. und vor allem des 19. Jahrhunderts ihre Nahrung gefunden haben, sich so weit zu entfernen, dass aus Gott eine lächerliche allegorische Figur gemacht wird.

Gott aber ist nicht aus dieser Sicht erklärbar, denn wir übersehen dabei den strafenden und den richtenden Gott, so heißt es nicht umsonst in der Ektenie oder, wie wir im Lateinischen sagen, Litanei vor dem Herrngebet:

„Ein christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden, und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhl Christi lasset uns erflehen.“ Wir beten: „Herr, erbarme Dich.“

Gott als Richter ist aus dem Bewusstsein des westlichen Menschen verschwunden, denn der gütige, milde Gott, wenn es ihn so überhaupt gibt, hat längst seinen Schrecken verloren. Bedenken wir aber eines: Gott hat uns in den Zehn Geboten – auf die an anderer Stelle eingegangen wird – eine klare Richtschnur gebeten, an die wir uns zu halten haben. Wir alle, jeder einzelne und da gibt es keine Gruppe, in die ich als Individuum mich gern flüchten möchte, wird vor Gottes Gericht treten und er muss Rechenschaft ablegen, wie die Heilige Schrift uns sehr eindringlich sagt, Rechenschaft für alles, was er unterlassen hat. Nehmen Sie ein Beispiel, warum gehen Sie achtlos an einem Bettler vorbei, ohne ihm etwas zukommen zu lassen? Sie werden vielleicht sagen oder denken: „Was geht mich das an, die sollen arbeiten wie ich!“ Sie gehen vorüber und haben kein schlechtes Gewissen, dann sind Sie bereits in Ihrem Herzen verhärtet, denn Gott wird Sie auch hier fragen: „Warum bist Du achtlos an einem Bettler vorüber gegangen?“ Gott verlangt von uns, dass wir unser Gewissen schärfen, denn je kritischer wir mit unserem eigenen Verhalten ins Gericht gehen, umso weniger Fehler – man kann auch Sünden sagen – werden wir begehen. Gott ist zwar durchaus der verzeihende Gott, den wir im Sakrament der Beichte wieder mit uns versöhnen können, aber wir müssen bestrebt sein – anders formuliert – wir müssen den guten Willen haben, Gottes Willen zu erkennen und nach seinen Geboten zu leben. Dazu gehört bei jedem von uns, dass wir barmherzig und demütig sind, denn Gott begegnet uns immer wieder mit seiner Barmherzigkeit. Erinnert sei hier an das Gleichnis des verlorenen Sohn in der Heiligen Schrift, das uns verdeutlichen soll, dass Gott sich über jeden, der zu ihm zurückfindet und der seinen Weg zu ihm findet, freut und ihn gern wieder aufnimmt. Leider fällt es uns heutigen Menschen so besonders schwer, Gottes Angebot anzunehmen und uns auf ihn und seine Heilige Kirche einzulassen, denn wir leben in einer völlig säkularisierten Welt, die in einem überzeugten Christen eine Art Sonderling sieht, den man belächelt. Menschen, die sich vorbehaltlos zu Gott bekennenden, sind im Westen rar geworden. Das ist die Arroganz des heutigen Menschen, wir können auch anders formulieren, der Widersacher Gottes ist auf dem Vormarsch und gewinnt hier im Westen eine Schlacht nach der nächsten, so dass das Bewusstsein für Gott und damit der Glauben am Schwinden sind, denn nehmen wir die Verhältnisse in Belgien. Dort ist ein gottloses und menschenverachtendes Gesetz eingeführt worden, ein Recht auf Euthanasie eines Kindes, d. h. Tötung eines Menschen, der nicht mehr leben kann oder will, eingeführt worden. Gott hat die Tötung oder – hart formuliert – den Mord an einem Menschen, zu dem auch der Selbstmord zu rechnen ist, verboten. Was stellen wir als Reaktion im einst christlichen Europa weitestgehend fest: Peinliches Schweigen, anstelle eines Aufschreis der Empörung. Ist das das ehemalige christliche westliche Europa?

Wir wundern uns über die unendliche Geduld, die Gott als Allherrscher, wie es im Glaubensbekenntnis heißt, aber wir dürfen sicher sein, diejenigen, die hierfür die politische Verantwortung tragen und den medizinischen Vollzug vornehmen, werden sich vor Gottes Richterstuhl finden. Hier sehen wir als krasses Beispiel, wieweit Gott und seine Lebensregeln bereits aus den Ländern des westlichen Europas verschwunden sind. Eine Pseudohumanität, die in den Nachwehen der Aufklärung wurzelt, wirkt als die Menschen und ihr ethisches Bewusstsein und Gewissen vergiftende Substanz, der nicht hinreichend entgegen getreten wird. Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde droht entthront zu werden durch neue Überzeugungen, die die Christen immer mehr in die Irre führen. Wie sollen wir hierauf reagieren? Nun, für uns als orthodoxe, d. h. rechtgläubige Christen bedeutet dieses, wir werden die Lehre unserer Kirche strikt befolgen und keinen Millimeter hiervor abweichen, dann werden wir auch die Kraft finden, zu diesen Auffassungen „Nein“ zu sagen. Wie sagt die Heilige Schrift: „Ihr werdet den Menschen ein Ärgernis sein.“ Nun, dann sei es so, dann wollen wir gern ein Stachel im Fleisch des Gender Main Stream sein und uns ihm entgegen stellen, denn er ist nicht vom Gott, sondern vom Diabolus getragen. Wir aber rufen dieser Welt zu und wir legen wie zur Zeit der über 80-jährigen Verfolgung durch den gottlosen Kommunismus Zeugnis ab und sagen: „Unterwerft Euch Gott und lasst Ihn in Eure Herzen. Öffnet Eure Herzen für Gott, dann wird er Euch erhören und Ihr werdet eine gute Rechenschaft vor seinem furchtbaren Richterstuhl abgeben.“

Gott ist aber nicht nur der Allherrscher, sondern er ist auch „Schöpfer“ dieser Welt, das heißt alles, jedes Wesen untersteht ihm und seinem Willen. Die Heilige Schrift sagt uns: „Und Gott sprach: Es werde Licht.“ So geschah es. Gott hat als reiner Geist die Macht diese Schöpfung, deren Teil der Mensch, die Tiere, die Pflanzen und somit die gesamte Natur sind, aus seinem Willen erschaffen. Absurde Erklärungsversuche vom Urknall oder Darwins „Theory of Evolution“, ja, ja, alles gut und schön, aber nur Theorien, die die Menschen erdacht haben, um sich von Gott als Schöpfer und Allherrscher zu lösen und so seinen Willen besser missachten zu können. Glauben Sie ganz persönlich etwa, dass Gott wissenschaftlich erklärbar ist. Ich möchte Sie auf Goethes „Faust“, dem Klassiker des Bildungsbürgertums verweisen, in dem der kleine Student vor dem großen Dr. Faustus, der sich durch enormes Wissen auszeichnet, und in die Wissenschaft eingeführt werden will. Dr. Faustus hat es längst verstanden: Was ist die Wissenschaft? Sie ist, wie ein Käse, durch den man sich durchisst, kommt man am anderen Ende wieder heraus, dann stellt man fest, dass zwar etwas war, aber letztlich nichts geblieben ist. Nein, es kann auch nichts bleiben, denn der Glaube kann Gott nicht ersetzen. Wie sagte doch ein Theologe der römischen Kirche: „Christus war kein Theologe.“ Was für eine unendliche Versteigung und Dummheit spricht aus diesem Denken, die Theologie versucht Gott zu erforschen und dieser Dummkopf – Theologe, so muss ich ihn nennen, erdreistet sich, zu einer solch gotteslästerlichen Aussagen und fühlt sich dabei auch noch prächtig vom Beifall einer gottlosen Zeit getragen.

Gott, möge sich uns aller erbarmen und unsere Herzen demütig machen, auf das wir den Weg zu ihm finden und uns ihm als Allherrscher und als Alpha und Omega unterwerfen.

Gerd Holger Wuerfel, M.A.

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